Durch den demographischen Wandel wird unsere Gesellschaft immer älter und die Anzahl an Pflegebedürftigen steigt kontinuierlich an, gleichzeitig macht die Medizin immer größer Fortschritte. Krankheiten, die noch vor 20 Jahren unwiderruflich zum Tod geführt hätten, können heute geheilt werden. Die medizinischen Fortschritte, auch im Bereich der Pflege, haben zu immer höher werdenden Ansprüchen an den Pflegeberuf geführt. All dies führt zu einer immer größeren Arbeitsbelastung in der Pflege und das bei einem gleichbleibenden beziehungsweise sogar reduzierten Personalschlüssel. Dass dies nicht gut gehen kann, sollte jedem einleuchten. Trotz
dieser prekären Arbeitsbedingungen, ziehen Unternehmen immer noch satte Renditen von über 10 % aus Krankenhäusern und Pflegeheimen und das auf Kosten des Pflegepersonals. Dies lässt sich in keiner Weise rechtfertigen und stößt in der Gesellschaft auf Unverständnis. Die Politik ist dazu angehalten endlich zu handeln, wir als Juso Landesverband streben einen echten und nachhaltigen Wechsel in der Pflegepolitik an. Für uns ist klar: Pflege ist Daseinsvorsorge und gehört als solches in die öffentliche Hand und darf nicht dem freien Markt und dessen Doktrin der Gewinnmaximierung unterworfen werden.

Um dies zu erreichen unterstützen wir die Gewerkschaften und die Mitarbeiter_innen in den Krankenhäusern und anderen pflegerischen Einrichtungen in ihrem Kampf für Verbesserungen in der Pflege, indem wir auf der Straße und online an Protesten und Aktionen teilnehmen. Des Weiteren werden wir unsere inhaltlichen Positionen, innerhalb der SPD auf Landes- und Bundesebene vertreten und den Druck auf die beteiligten politischen Akteure erhöhen, um ein Umdenken in der Gesundheitspolitik zu erreichen. Unser Ziel ist der schnellstmögliche Systemwechsel weg vom Klassengesundheitssystem hin zur Bürger_innenversicherung.

Von Prävention durch Sport, Ernährung bis hin zu Suchtprävention von Tabakkonsum oder Spielsucht: Wie wir als Erwachsene leben, hängt viel von der Sozialisierung in der Kindheit ab. Daher sollte das Augenmerk bei der
Präventionsarbeit insbesondere bei Kindern und Jugendlichen liegen. Während Einzelverbände wie die Tabaklobby und die Zuckerindustrie von süchtig machenden und gesundheitsschädlichen Produkten profitieren, gereichen diese der Gesamtgesellschaft zum Nachteil. Von horrenden Kosten, die dadurch in unserem Gesundheitssystem anfallen bis zum Einzelschicksal einer gescheiterten Existenz, die mit einer Suchterkrankung einhergehen kann. Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar warum Verbände wie die Tabaklobby immer noch Werbung im öffentlichen Raum schalten dürfen, während andere Drogen wie Cannabis noch immer kriminalisiert werden. Dabei müssen wir Denkverbote und ideologisch motivierte Standpunkte überwinden, um zu einer Präventionspolitik zu gelangen, die zielgerichtet ist und das Wohl der Gesamtgesellschaft und nicht das Wohl von Einzelverbänden in den Mittelpunkt stellt. Zum Erreichen dieser Ziele werden wir als Jusos Saar weiterhin unsere Positionen laut und sachlich in der SPD vertreten, um darüber ein gesellschaftliches
Umdenken zu erreichen. Um weitere Ansatzpunkte, insbesondere in der Kinder- und Jugendprävention zu evaluieren, werden wir uns mit verschiedenen Kinder- und Jugendschutzverbänden treffen und streben darüber hinaus gemeinsame Aktionen mit diesen an, um auf Präventionsmaßnahmen aufmerksam zu machen.

Die Gesellschaft verändert sich immer schneller und der Gesundheits- und Pflegebereich steht dem in nichts nach. Wir müssen als Gesellschaft entscheiden wo es hin gehen soll und wie wir uns unser Gesundheitssystem in 20 Jahren vorstellen. Soll die Pflege von älteren Menschen weiterhin überwiegend von der Familie und Freund_innen geleistet werden? Wenn ja, wie können wir pflegende Angehörige in Zukunft besser unterstützen und entlasten, damit dies auch möglich bleibt? Wie soll die Digitalisierung im Gesundheitssektor aussehen? Wo setzen wir die Grenze von Robotern in der Pflege? Was ist mit der Sterbehilfe?
Aufgrund all dieser und noch vieler anderen ethischer und gesellschaftlicher Fragen, möchten wir durch offene, interne und öffentliche Diskussionen über das Erreichen von mehr Mitbestimmung der Pflegekräfte in einem Pflegesystem der Zukunft, als auch über die Medizin der Zukunft und deren Folgen, unseren Teil zur Debatte im Gesundheits- und Pflegebereich beitragen. Um dann daraus konkrete Positionen zu entwickeln und diesen zu einer gesellschaftlich mehrheitsfähigen Umsetzung zu verhelfen.